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Creditreform Wirtschaftsnews

Unser Handwerk – zwischen Depression und Hoffnung

Die aktuelle Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung zur Konjunktur und Finanzierung im Handwerk am Ende des Winters zeigt, dass die Rezession, von der auch das Handwerk betroffen ist, auch nach zwei Jahren noch anhält.

Die Bewertungen zur aktuellen Geschäftslage befinden sich seit 2022 auf Talfahrt. Der Saldo aus guten und schlechten Aussagen zur geschäftlichen Lage ist noch einmal schwächer ausgefallen: Waren es im Vorjahr noch 55,3 Prozent, die mit sehr guten und guten Bewertungen votierten, so sind es am Anfang dieses Jahres nur noch 51,6 Prozent. Allerdings haben auch die schwachen Noten von mangelhaft bis ungenügend ein wenig abgenommen – um 1,2 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent. Nur das Kfz-Handwerk und die persönlichen Dienstleistungen liegen über dem Durchschnitt. Deutlich darunter stehen das Bauhandwerk und der Metall-Sektor. Entsprechend liegt die Umsatzentwicklung des vergangenen Halbjahres per Saldo noch einmal auf einem schlechteren Wert als im Vorjahr – zum zweiten Mal seit dem Corona-Krisenjahr 2021 (minus 8,4 Prozent) ist der Umsatzsaldo negativ (minus 1,5 Prozent).

„Alte“ Mitarbeiter gehen in Rente

Doch zeigt ein weiterer Parameter zur Bewertung der aktuellen Lage des deutschen Handwerks eine leicht positive Entwicklung binnen Jahresfrist. Wenn auch weiterhin unter der Nulllinie, so ist doch die Personalentwicklung in diesem Jahr mit minus 3,6 Prozent etwas besser gegenüber minus 3,9 Prozent im Jahr 2024. Dennoch bleibt festzuhalten, dass fast jeder vierte Handwerksbetrieb seinen Personalbestand verkleinert hat. Dies hat seinen Grund allerdings nicht nur in der konjunkturellen Situation, sondern eben auch im Fachkräftemangel gerade im Handwerk. Bei den Gründen für die Verkleinerung der Mitarbeiterzahl nannten 46 Prozent der Befragten den Fachkräftemangel vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung. Strukturprobleme spielen auch eine wichtige Rolle, wenn 24 Prozent angaben, dass ihre Mitarbeiter in andere Branchen abgewandert sind. 31,4 Prozent führten allerdings auch die schlechte Auftragslage an, wenn es um eine Verkleinerung des Personalbestandes ging.

Im aktuellen Geschäftsklimaindex des ifo Instituts schreiben die Münchner Forscher: „Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland hat sich aufgehellt. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im März auf 86,7 Punkte, nach 85,3 Punkten im Februar. Die Unternehmen zeigten sich zufriedener mit der aktuellen Lage. Die Erwartungen stiegen merklich. Die deutsche Wirtschaft hofft auf Besserung.“ Das Verarbeitende Gewerbe und das Bauhauptgewerbe, die beide wesentlich auch vom Handwerk geprägt sind, zeigen laut ifo Institut gerade beim Auftragseingang – also beim Umsatz – leicht rückläufige Zahlen. „Nach wie vor bleibt der Auftragsmangel die größte Herausforderung für die Bauwirtschaft,“ schreibt ifo.

Geht da wieder was?

Auch in der Creditreform Umfrage unter 1.255 Betrieben in Ost- und Westdeutschland zeigen sich im Hinblick auf die Erwartungen positive Signale. So werden die zukünftigen Umsätze für das nächste halbe Jahr per Saldo mit 1,5 Punkten wieder oberhalb der Nulllinie angesiedelt. Im Vorjahr lag der Saldo aus steigenden und sinkenden Prognosen noch bei minus 3,0 Prozent und damit so schlecht wie seit 2009 nicht mehr. Das Nahrungsmittelhandwerk und das Kfz-Handwerk sind bei den Hoffnungen auf steigende Umsätze weit vorne zu finden. War schon die aktuelle Lage beim Personalbestand ein wenig positiver als im Vorjahr, so sind die Personalplanungen in diesem Jahr wieder besser geworden. 21,4 Prozent der Befragten haben vor, weitere Mitarbeiter einzustellen – 2024 gaben hier nur 20,6 Prozent der Betriebe ein positives Votum ab. Vor allem aber die Zahl der Handwerksunternehmen, die zukünftig mit weniger Personal auskommen müssen, hat sich verkleinert – von 12,8 Prozent (2024) auf aktuell 10,6 Prozent. Bleibt die Hoffnung, dass angesichts des großen Bedarfs der Rüstungsindustrie die nötigen qualifizierten Mitarbeiter auch gefunden werden.

Aussagen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung werden auf den Punkt gebracht, wenn es um Investitionen geht. Wer Geld in die Hand nimmt, dessen Optimismus ist nicht von Emotionen bestimmt, sondern von rationalen Planungen im Hinblick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Insofern sind die deutlich positiveren Aussagen zu den Investitionen tatsächlich ein Grund, die Zukunft des Handwerks wieder in einem besseren Licht zu sehen. Fast die Hälfte der Befragten (49,2 Prozent) hat vor, Investitionen zu tätigen. Eine Zahl die deutlich über den 41,5 Prozent des Vorjahres liegt, wenn auch immer noch unter dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 mit Werten von knapp 60 Prozent positiver Investitionseinstellung. Auch wenn das Schwergewicht der Investitionen noch beim Ersatz liegt (58,4 Prozent der Befragten), so haben doch Erweiterungsinvestitionen um fast 6 Prozentpunkte zulegen können (50,2 Prozent; 2024: 44,7 Prozent).

Das Geld ist da

Mit dem gigantischen Schuldenpaket und der neuen Regierung sind die Hoffnung in der deutschen Wirtschaft und eben auch im Handwerk wieder spürbarer geworden, weil nun auf Ausgaben der öffentlichen Auftraggeber und mehr Planungssicherheit bei den politischen Rahmenbedingungen gesetzt werden kann. Wie notwendig ein solcher Katalysator ist, zeigt die Finanzierungssituation beim Handwerk. Nur 18,2 Prozent der Betriebe blieben von Verlusten durch unbezahlte Rechnungen verschont. Und schließlich hat auch die Eigenkapitalsituation in der wirtschaftlichen Krise gelitten. 34,5 Prozent der Unternehmen haben eine schwache Eigenkapitaldeckung von unter 10 Prozent – im Vorjahr waren es nur 32 Prozent. Die Rezession wirkt sich verheerend auf die Insolvenzlage aus. Das Handwerk ist wie die Unternehmenslandschaft in Deutschland insgesamt von deutlichen Anstiegen bei den Pleiten betroffen. Die Zahl der Insolvenzen im Handwerk stieg 2024 um knapp 19 Prozent auf 4.350 Betriebe. Die flaue Auftragslage und die gestiegenen Löhne führten dazu, dass mancher Betrieb die Krise nicht überlebt hat. Dabei kommt der größte Teil der Insolvenzen im Handwerk aus dem Ausbauhandwerk – jede dritte Pleite betrifft diesen Wirtschaftsbereich.

Jetzt gilt das Prinzip Hoffnung. Gegen Ende März waren die Verhandlungen zur Bildung einer neuen Regierung noch nicht abgeschlossen und auch bei den geplanten Ausgaben für die Infrastruktur muss sich erst noch zeigen, wie das Handwerk hier beteiligt sein wird.

Quellen: Creditreform, ifo Institut



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