NL RSS

Kommentar zur aktuellen Wirtschaftslage

Liebe Leserinnen und Leser,

wann haben Sie sich zuletzt eigentlich völlig sorglos gefühlt? Können Sie sich daran erinnern, dass es mal die berühmte Berichterstattung vom Krokodil im Baggersee gab? Nein? Ich auch nicht. Die Realität ist doch eine völlig andere. Jeden Tag ereignen sich große und kleine Katastrophen, historische Ereignisse und unfassbare Szenen. Ich möchte gar nicht darauf hinaus, wer dafür verantwortlich zeichnet und ob es wirklich so ist, wie wir es gerade zweifelsohne fühlen. Denn vielleicht hat sich auch einfach nur die Zahl der Nachrichtenkanäle und der Live-Berichterstattungen erhöht. Am Ende macht es keinen Unterschied. Wichtig ist allein, was dieses mediale und tatsächliche „Dauerfeuer“ mit uns macht. Das Innehalten und Reflektieren ist zu einer Seltenheit geworden. Alles verlangt sofortige Antwort, unverzügliche Handlung und die nächsten Schritte. So reichte (vermeintlich) eine unschöne Szene im Oval Office des Weißen Hauses aus, um in Lichtgeschwindigkeit politische Gewissheiten über Bord zu werfen und vom Kurs einer Strukturwende unserer Wirtschaft zum größten Schuldenpaket in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu kommen. Dieses Beispiel ist das aktuelle, aber längst nicht das einzige. Die Auswirkungen dieser speziellen Entscheidung, werden uns alle aber noch über viele Wochen, Monate und Jahre begleiten. Verbunden damit ist die einfache Frage, ob unsere Wirtschaft mit genügend Geld wieder zur alten Stärke zurückfindet. Ein wichtiger Wirtschaftsbereich kann uns hier weiterhelfen. Jüngst haben wir von der Creditreform Wirtschaftsforschung die Studie „Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk“ veröffentlicht. Die überwältigende Mehrheit der untersuchten Handwerksbetriebe gab an, dass es vor allem Auflagen, Verordnungen und weitere gesetzliche Maßnahmen sind, die ihnen das geschäftliche Leben schwer machen. Diese Tatsache alleine ist nicht verwunderlich. Es sind unter anderem die Hygieneverordnung, das Lieferkettengesetz, das Gebäudeenergiegesetz, Brand- und Schallschutz, Barrierefreiheit, Naturschutzvorschriften, Vergaberecht, Arbeitsschutz, Unfallverhütung, Stellplatzverordnung, Abfalltrennung/Recycling und viele weitere Bürokratiehürden, die dazu führen, dass wesentlich weniger Zeit (und auch Geld) zur Verfügung steht, um den eigentlichen Aufgaben nachzugehen. Nicht falsch verstehen lieber Leser, Bürokratie ist für das Funktionieren unserer Gesellschaft wichtig. Die elementare Frage bleibt aber, was ist sinnvoll, was bringt uns voran und führt zu einem besseren Zusammenleben. Und was ist zu viel, hemmt und schadet der Wettbewerbsfähigkeit? Trotz aller Liquidität kommen wir nicht umhin, uns mit dieser Frage auseinanderzusetzen, wenn die sogenannte Wirtschaftswende kein Rohrkrepierer werden soll. Dafür müssen wir alle, die Politiker und auch die Unternehmer einmal innehalten und sich genau diese Zeit nehmen, um zu einer guten und tragfähigen Entscheidung zu kommen. Das sind wir und sie diesem Land schuldig.

Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch